Spitzenwerke der Serigrafie in Plattenhardt

Siebdrucke ermöglichen es, Kunst einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Während Gemälde als Unikate oft hohe Preise erzielen, können durch die Drucktechnik mehrere Exemplare in limitierten Auflagen hergestellt werden. Viele Künstlerinnen und Künstler schätzen dabei die besondere Wirkung der Serigrafie: Intensive Farben, klare Flächen und markante Kontraste verleihen den Arbeiten eine unverwechselbare Ausdruckskraft.

Mit dieser traditionsreichen Technik beschäftigte sich eine Gruppe von Kunstinteressierten der SportKultur Stuttgart bei einem Besuch des Serigrafie-Museums in Filderstadt-Plattenhardt. Im Rahmen einer Führung durch die Ausstellung „Naturgeschichten – Ida Kerkovius und Freund:innen“ erläuterte Siebdruckerin Dagmar Bauer die Besonderheiten des aufwendigen Verfahrens. Zum Abschluss konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst kreativ werden und Siebdruckpostkarten anfertigen.

Der Begriff „Serigrafie“ steht für die künstlerisch anspruchsvolle Form des Siebdrucks. In Plattenhardt wurde diese Technik durch Luitpold Domberger (1912–2005) und seinen Sohn Michael zu höchster Meisterschaft entwickelt. Ihnen gelang es, handwerkliche Präzision und künstlerische Qualität in einzigartiger Weise miteinander zu verbinden. Die Dombergers arbeiteten mit bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts aus aller Welt zusammen. Zu ihnen gehörten unter anderem Max Ackermann, Christo und Jeanne-Claude, Richard Estes, Keith Haring, Ida Kerkovius, Heinz Mack, Rosemarie Trockel, Tomi Ungerer und Victor Vasarely.

Den Grundstock des heutigen Museums bildet die Sammlung Domberger. Sie umfasst mehr als 2.000 Siebdrucke, Andrucke, Vorlagen, Druckfilme und Fotografien, die auf die jahrzehntelange Sammeltätigkeit des Unternehmers zurückgehen. Das Land Baden-Württemberg erwarb die Sammlung im Jahr 2009 und stellt sie seitdem der Stadt Filderstadt zur Verfügung. Bereits 1982 verlegte die Familie Domberger ihre Druckerei in das Gebäude der ehemaligen Strumpffabrik Mack & Schneider. Das architektonisch bemerkenswerte Gebäude aus dem Jahr 1925 gilt als erster Industriebau auf den Fildern. Heute befindet sich an diesem authentischen Ort  auf einer Etage das Serigrafie-Museum, das die Geschichte und die hohe Kunst des Siebdrucks lebendig bewahrt.

Text und Foto:  Norbert Klotz