Offene Horizonte in Sindelfingen

Grenzenlose Kunst und Schwarzwald-Magie

Offene Horizonte sind echte Multitalente: Sie schaffen nicht nur neue Perspektiven im Denken des Menschen, sondern eröffnen durch künstlerische Fantasie auch völlig neue Ansichten in der bildenden Kunst. Genau das wurde jetzt in einer packenden Schau erlebbar: Rund 30 ausgewählte Werke aus der renommierten Sammlung Schaufler thematisierten die landschaftliche Trennlinie zwischen Himmel und Erde – als Sinnbild für die Weite der Natur und die menschliche Sehnsucht nach dem Erhabenen. Zusammengestellt wurde diese besondere Präsentation zum 15-jährigen Bestehen des SCHAUWERKS. Was es dort alles zu entdecken gab und welche Intentionen die Künstlerinnen und Künstler angetrieben haben, erläuterte Damaris Wurster der Besuchergruppe der SportKultur-Abteilung Kunst&KulTouR überaus charmant und kompetent.

Ein echter Hingucker in der Schau ist die großflächige Öl-Acryl-Collage „Wienerwald“ von Donald Baechler. Das Werk hat die spielerische Anmutung einer Strichzeichnung aus Kinderhand und konterkariert damit ganz bewusst die traditionelle Würde der klassischen Landschaftsmalerei eines Caspar David Friedrich. Absolut beeindruckend wirkt daneben das monumentale Werk „The Black Forest“ (2024) von Sam Falls, das mit seinen spektakulären Maßen von 10,5 x 2,4 Metern die Blicke auf sich zieht. Für diese wandfüllende Arbeit mit Pigmenten auf Leinwand hat der Künstler einen aufwändigen Prozess genutzt, bei dem sich echte Pflanzen des Schwarzwalds direkt auf dem Untergrund abgebildet haben.

Andere Werke wiederum eröffnen tiefgründige philosophische Fragen: Mit seinem schlicht „Bild“ betitelten Werk thematisiert Sigmar Polke die Struktur der Malerei an sich. Robert Longo schafft derweil in „Dark Chapel“ einen Raum für spirituelle Reflexion, und Thomas Ruff nutzt präzise Aufnahmen des European Southern Observatory, um die Sichtbarkeit und Wahrhaftigkeit fotografischer Bilder clever zu hinterfragen. Von der flirrenden Lichtbrechung in Abhängigkeit von der Bewegung des Betrachters lebt hingegen eine Arbeit von Heinz Mack aus dem Jahr 1971, bei der ein Aluminiumstück von zwei Acrylglasscheiben umschlossen wird. Dieses historische Werk hat einst die große Sammlerleidenschaft des Ehepaars Schaufler geweckt und legte damit letztlich den Grundstein für die Entstehung des heutigen SCHAUWERKS.

Das breite Spektrum der ausgestellten Werke sowie die gelungene Präsentation in den lichtdurchfluteten Ausstellungsräumen sorgten am Ende für rundum begeisterte Gesichter: Die Besuchergruppe kehrte voller Zufriedenheit von dieser inspirierenden Kunstausfahrt nach Sindelfingen zurück.

Text und Foto:  Norbert Klotz