„Of Other Places“ - Galerie der Stadt Sindelfingen

Ziel der März-Kunstausfahrt der SportKultur-Abteilung Kunst&KulTouR war die Galerie der Stadt Sindelfingen. Die Gruppe wurde von Galerieleiterin Hannah Eckstein empfangen und durch die aktuelle Ausstellung „Of Other Places“ - (Von anderen Orten) - geführt. Hier setzen sich sieben zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler mit dem Denken des französischen Philosophen Michel Foucault (1926-1984) auseinander. Er beschreibt “Heterotopien” als „andere Orte“: reale Räume innerhalb der Gesellschaft, die bestehende Ordnungen spiegeln, infrage stellen oder umkehren. Als Gegenorte eröffnen sie alternative Wirklichkeiten und weichen von der etablierten Ordnung ab. Anders als Utopien sind sie nicht imaginär, sondern real – zugleich jedoch „außerhalb aller Orte“.

Giulia Cenci zeigt mit „Dry Salvages“ - (Gedicht von T. S. Eliot) - fragil anmutende Körper, die mit maskenhaften menschlichen Gesichtern in alten, gläsernen Duschkabinenhängen oder lehnen. Jedes Leben scheint aus ihnen gewichen zu sein, ihre Augen sind geschlossen, die Körper dehydriert und erschlafft, als befänden sie sich in einem geisterhaften Schlaf. Auf manchen Besucher wirken die eingeglasten Figuren beklemmend bis verstörend.

Flaka Haliti setzt sich mit geopolitischen und gesellschaftlichen Ordnungen und der aktuellen Situation von Migranten auseinander, die sich irgendwo in einem „Dazwischen-Sein“ befinden, noch nicht an einem realen Ort angekommen sind. Symbolisiert wird der Zustand durch eine unüberwindbare Barriere aus massivem Wellblech.

Monika Michalko schafft malerische Bildräume voller intensiver Farben und ein Universum wundersamer Entdeckungen. Der Ausstellungsraum ist fantastischer, bunter, freundlicher Zufluchtsort, der den Betrachtern ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

In Alex Da Cortes großformatigem Triptychon „A Boom, Overheard, Overhead“ - (Ein Knall, aufgeschnappt, über uns) - überlagern sich Kunstgeschichte, Pop-Kultur und Erinnerung. Neben einer Reproduktion eines Gemäldes von Joan Brown stehen gleichberechtigt fliegende Comic-Enten aus der Sesamstraße und ein fehlerhafter Druck mit ungeordneten, verblassenden Zahlen.

Tobias Spichtig inszeniert mit seinen skulpturalen und bildnerischen Arbeiten eine existenzielle Heterotopie: den Friedhof. Zwischen glänzenden Grabsteinen, Bühnenmomenten und ikonischen Bildern überlagern sich Leben, Tod und Inszenierung zu einer melancholischen Reflexion über Vergänglichkeit.

Stine Deja entwirft mir „Grave Matters“ - (Ernste Angelegenheiten) - spekulative Zukunftsszenarien, in denen digitale Töne, Technologien und Identitäten in blechernen Science-Fiction-Särgen in einer oktonalen Krypta, einem „anderen Raum“ miteinander verschmelzen.

Mike Bourscheid verbindet Installation und Film zu einer theatralischen Erzählung zwischen Realität und Fiktion. In einer Mischung aus Bühnenbild, Requisit und autobiografischer Andeutung entstehen fragile Szenen über Familie, Fürsorge und Rollenbilder, die zwischen Humor und Verletzlichkeit oszillieren.

Text:       Bearbeitet von Norbert Klotz mit freundlicher Genehmigung der Galerie der Stadt Sindelfingen
Foto:      Norbert Klotz