Kunsthalle Weishaupt Ulm
Wenn Farben Formen finden
Ein inspirierendes Erlebnis für die Sinne: Die Kunstfreundinnen und Kunstfreunde der SportKultur zeigten sich restlos begeistert von ihrem Besuch in der Ulmer Kunsthalle Weishaupt. Kunstvermittlerin Heidrun Heil führte die Gruppe ebenso kompetent wie charmant durch eine hochkarätige Sammlung ungegenständlicher Kunst, die das Sammlerehepaar Siegfried und Jutta Weishaupt (Inhaber des gleichnamigen Heizsystemherstellers) über fünf Jahrzehnte hinweg aufgebaut hat.
Unter dem Titel „Wenn Farben Formen finden“ zeigt die aktuelle Ausstellung im architektonisch spektakulären Museumsbau nahe dem Ulmer Münster, wie perfekt sich Farbe, Form und Raum ergänzen. Das verblüffende Ergebnis: Aus absoluter Klarheit und Reduktion entsteht auf der Leinwand eine überraschende Lebendigkeit. Viele der gezeigten Grafiken und Gemälde machen dieses Zusammenspiel direkt erlebbar. Wie sich Farben gegenseitig beeinflussen, führen beispielsweise die berühmten bunten Quadrate von Josef Albers vor Augen. Durch exakte Kanten voneinander getrennt, erzeugen sie eine optische Täuschung, die die Besucher faszinierte: Die Formen scheinen beinahe schwerelos im Raum zu schweben. Ebenso eindrucksvoll präsentieren sich die Arbeiten von Georg Karl Pfahler. Die überwiegend in leuchtenden Signalfarben gehaltenen, flächenhaften Gemälde basieren auf seinem einzigartigen Konzept der „Farbformmalerei“. Pfahler, der an der Stuttgarter Kunstakademie unter anderem bei Willi Baumeister studierte, lässt die Farben auf der Leinwand als eigenständige, monumentale Körper wirken – ein kraftvoller Beitrag zur Ausstellung, der die Besucher nachhaltig beeindruckte. Einen faszinierenden Kontrapunkt dazu setzen die grafischen Arbeiten von Karl Gerstner. Zu sehen ist unter anderem seine schmale, hochformatige Tetralogie „Morgen – Mittag – Abend – Nacht“. Äußerst minimalistisch gestaltet und in den charakteristischen Farben der jeweiligen Tageszeiten gehalten, genügen dem Künstler wenige Querlinien, um die jeweilige Stimmung sofort greifbar zu machen. Ein glänzendes Beispiel für Grafik vom Feinsten, das durch seine schlichte Eleganz besticht. Ein absoluter Hingucker sind zudem die Werke von Victor Vasarely: Seine genialen Kombinationen und Anordnungen geometrischer Figuren entfalten durch geschickt gewählte Perspektiven eine verblüffende Dynamik – im Auge des Betrachters scheinen sich die Bildelemente lebendig zu bewegen. Auch die Werke von Geneviève Claisse ziehen die Blicke auf sich: Geometrisch klare Kreisformen in fast strahlender Farbigkeit und präziser Anordnung sind das Markenzeichen der französischen Künstlerin. Ihre in der Ausstellung gezeigten Arbeiten versprühen eine beachtliche Dynamik und erzeugen die Illusion, als würden sich die Kreise harmonisch ineinander bewegen.
Mit vielen inspirierenden Eindrücken und neuen Perspektiven auf die Welt der ungegenständlichen Kunst im Gepäck, ließ die kunstaffine Gruppe der SportKultur die gelungene Kunstausfahrt im Anschluss gemütlich ausklingen.
Text und Foto: Norbert Klotz