Kammermusik mit Entdeckergeist im Gustav-Siegle-Haus
Abseits des vertrauten klassischen Repertoires präsentierten die Stuttgarter Philharmoniker bei ihrem Nachmittagskonzert zu Beginn der Osterwoche im Gustav-Siegle-Haus vier abwechslungsreiche Kammermusikwerke. Auch musikbegeisterte Mitglieder der SportKultur-Abteilung Kunst&KulTouR waren im Konzertsaal und spendeten am Ende kräftigen, verdienten Beifall für Gina Poli (Klavier), Juan Carlos Rivas Perretta (Oboe), Michael Schaffarczyk und Inés Pérez Garcia (Violine), Akiko Hirataka (Viola) sowie Yaroslav Georgiev (Violoncello).
Den Auftakt bildete das 1932 entstandene „Phantasy Quartet“ von Benjamin Britten (1913-1976) – ein frühes, eindrucksvoll verdichtetes Kammermusikwerk für Oboe und Streichtrio. In freier, einsätziger Form wechseln sich lyrische, beinahe introvertierte Momente mit lebhaften, tänzerischen Passagen ab. Die Oboe setzt dabei markante Akzente und tritt zugleich in einen fein austarierten Dialog mit den Streichern.
Es folgte das „Quartett für Oboe, Streicher und Klavier“ des jungen australischen Komponisten Lachlan Skipworth (1982). Seine neoromantisch geprägte, zugleich zeitgenössische Klangsprache lebt von Transparenz und subtilen Spannungsbögen. Die Oboe fungiert als impulsgebende Stimme im vielschichtigen Zusammenspiel mit Streichern und Klavier. Die Stuttgarter Aufführung markierte zudem die Europapremiere dieses klanglich raffinierten Werkes in den drei Sätzen Allegro moderato, Misterioso und Allegretto giocoso.
Mit dem „Fantasy Quartet“ von Ernest John Moeran (1894-1950) erklang ein Werk von pastoralem Charakter und lyrischer Weite. Fließende Übergänge, volksliedhafte Melodien und warme Harmonien prägen die einsätzige Anlage, in der Oboe und Streicher einen ausgewogenen, ausdrucksstarken Dialog entfalten.
Den Abschluss des Konzerts bildete das „Quintett in F-Dur“ von Théodore Dubois (1837-1924), ein elegant gearbeitetes, viersätziges Werk der französischen Spätromantik. Klare Formen, melodische Fülle und fein abgestimmte Klangfarben bestimmen das musikalische Geschehen, das in einem mitreißenden „Allegro con fuoco“ eindrucksvoll kulminiert.
Ein Nachmittag, der zeigte, wie spannend und facettenreich Kammermusik jenseits des Mainstreams sein kann – und der mit begeistertem Applaus endete.
Text und Foto: Norbert Klotz