Ein Fest für die Sinne im Museum Ritter in Waldenbuch
Im Museum Ritter in Waldenbuch erlebten die Kunstfreundinnen und -freunde der SportKultur Stuttgart in den Ausstellungen „Glanzstücke“ und „Einfach machen“, eine faszinierende Symbiose aus visueller Magie und avantgardistischen Klängen. Kunsthistorikerin Cornelia Buder führte kenntnisreich durch die strahlende Welt der Lichtkunst aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter – und entführte das Publikum in die elektronischen Klangwelten des Pioniers auf diesem Gebiet, Walter Giers (1937–2016).
Zum 20-jährigen Jubiläum präsentiert das Haus in „Glanzstücke“ ausgewählte Werke, deren Entstehung von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart reichen. Mit raffinierten visuellen Effekten und ihrer sinnlichen Strahlkraft begeistern die Exponate das Publikum und machen die Schau zu einem unvergesslichen Erlebnis. Lichtkünstler nutzen die fast magischen Eigenschaften des sichtbaren Lichts – gebrochen durch Spiegel, Linsen oder Prismen, verzerrt von Wellenglas oder in Bewegung versetzt durch Elektromotoren – um surreale, fast unwirkliche Welten zu erschaffen. Mal flirren zarte Farbenspiele über die Flächen, mal entstehen rätselhafte Tiefen, die den Betrachter in ihren Bann ziehen. Einige Werke wirken durch ihre kühle, zurückhaltende Eleganz, andere explodieren förmlich in grellen, fast aggressiven Farben und fordern das Publikum zu einer intensiven Auseinandersetzung mit den Exponaten heraus. Lichtkunstschaffende in der Ausstellung sind u.a. Hans Kotter, Mauricio Nannucci, Heinz Mack, Betty Rieckmann, Christian Herdeg, Grazia Varisco und Yoshiyuki Miura mit seinem faszinierenden Werk “Roter Ellipsoid” von 2020.
Jahrzehntelang experimentierte der vielfältige Jazzmusiker und gelernte Metallgraveur Walter Giers an der Schnittstelle von Technik und Kunst. Mit den Überresten alter Radios – Kondensatoren, Transistoren, vergessenen Schaltkreisen – ersann er nicht nur Klangmaschinen, sondern ganze Klangwelten. Seine Werke, oft verknüpft mit hypnotisch anmutenden Lichteffekten, waren schon früh Pionierarbeiten der elektronischen Kunst: technisch genial, ästhetisch radikal und doch anschaulich, immer verbunden mit einem sympathischen Hauch von Jazz-Improvisation. Ein Tüftler, der aus Schrott Poesie schuf. Seine Klangteppiche sind bis heute ein unbestrittenes, interessantes Hörerlebnis.
Text und Foto: Norbert Klotz