Die lieben Nachbarn in Waiblingen

Humorvolle Seitenhiebe unter lieben Nachbarn

„Was sich liebt, das neckt sich“ – dieses Sprichwort wird in der Galerie Stihl Waiblingen derzeit auf besonders unterhaltsame Weise lebendig. Die aktuelle Ausstellung „Die lieben Nachbarn – Deutschland & Österreich“ widmet sich mit viel Humor und spitzer Feder dem besonderen Verhältnis der beiden Nachbarländer. Die SportKultur-Abteilung Kunst & KulTouR ließ sich diesen kulturellen Schlagabtausch nicht entgehen und besuchte die sehenswerte Schau.

Während einer abwechslungsreichen Führung mit Juliane Sonntag erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer spannende Einblicke in die Welt der Karikatur und in die charmanten wie bissigen Eigenheiten deutsch-österreichischer Nachbarschaft. Die rund 200 Werke von mehr als 40 Zeichnerinnen und Zeichnern zeigen ein breites Spektrum: von feinsinnig und nachdenklich bis hin zu scharfzüngig und derb. Entstanden ist die Ausstellung in Kooperation mit dem Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur & Zeichenkunst in Hannover, kuratiert von der Direktorin Dr. Eva Jandl-Jörg.

Im Mittelpunkt stehen Themen, die Deutschland und Österreich gleichermaßen verbinden wie unterscheiden: Tourismus, Politik, Sprache, Essgewohnheiten und Alltagsleben. So werden etwa die Unterschiede zwischen Frankfurter und Wiener Würstchen, touristische Klischees zwischen herzlicher Gastfreundschaft und verlogener Freundlichkeit oder politische Eigenheiten pointiert dargestellt. Mit schnellem Strich und bösem Witz werden bekannte Vorurteile aufgegriffen, überzeichnet und humorvoll auf die Spitze getrieben.

Besondere Aufmerksamkeit fanden die Werke von Oliver Ottitsch, der mit Titeln wie „Sacher-Masoch-Torte mit Schlag“, „Salzburger Fesselspiele“ oder „Die Lederjahre einer Kaiserin“ den österreichischen Humor in all seiner Ironie präsentiert. Auch die kunstvoll überzeichneten Porträts, z.B. W.A. Mozart von Rudi Hurzlmeier, Niki Lauda und Arnold Schwarzenegger von Erich Sokol, sorgten für viele Lacher. Der oft bewusst deftige Stil von Manfred Deix bedient Klischees, regt aber zugleich zum Nachdenken über kulturelle Eigenheiten und gegenseitige Wahrnehmungen an.

Die Ausstellung macht deutlich, dass gerade die kleinen Unterschiede und liebevollen Frotzeleien den kulturellen Dialog lebendig halten. Künstler wie Gerhard Haderer, Träger des Deutschen Karikaturenpreises „Geflügelter Bleistift in Gold“, zeigen, wie Karikatur Brücken schlagen kann – mit Humor, Schärfe und einem genauen Blick auf gesellschaftliche Eigenheiten.

Am Ende waren sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig: Die kleinen Neckereien zwischen „Piefke“ und „Kamerad Schnürschuh“ gehören einfach dazu. Sie sind die richtige Würze in einer Nachbarschaft, die trotz aller Unterschiede eng verbunden ist – ganz so wie das Schnitzel, das in beiden Ländern beliebt ist und hier wie dort gern über den Tellerrand hinaushängen darf.

Der Besuch in der Galerie Stihl war damit nicht nur ein vergnüglicher Nachmittag, sondern auch ein lebendiges Beispiel dafür, wie Humor Verständnis schaffen und Nachbarschaft mit Augenzwinkern feiern kann.

Text:       Norbert Klotz

Bild:       © Andrea Maria Dusl - 2023