Alex Katz in Tübingen
Ein Tanz mit der Realität – Alex Katz in der Kunsthalle Tübingen
Leuchtende Farben, flächige Portraits in einer unverwechselbaren Ästhetik zeigt die Ausstellung „Dancing with Reality“ in der Kunsthalle Tübingen. Vierzig, hauptsächlich Spätwerke ab ca. 1990 des mittlerweile 99-jährigen, immer noch im Atelier aktiven New Yorker Malers, Alex Katz werden vorgestellt. Kunstvermittlerin Juliane Müller hat kenntnisreich und charmant einer Gruppe Kunstfreundinnen u. -freunden der SportKultur Stuttgart faszinierende Einblicke in das Schaffen eines der bedeutendsten figurativen Maler der Gegenwart nahegebracht.
Bereits beim Betreten des ersten Ausstellungsraums erfasste die Besucher die visuelle Kraft der Werke. Alex Katz, einer der Wegbereiter der Pop-Art und weltweit bekannt für seine großformatigen Bilder und die meisterhafte Reduktion auf das Wesentliche, macht dem Ausstellungstitel alle Ehre. Sein „Tanz mit der Realität“ fängt flüchtige Momente mit einer ganz eleganten Leichtigkeit und Lebendigkeit ein, die beim Betrachten unweigerlich fasziniert. Am Katz‘schen Malstil begeistert die charakteristische Ästhetik mit kühlen, glatten Oberflächen und der oft filmisch wirkende Ansatz seiner Portraits. In der Farbgebung ist es die enorme, emotionale und räumliche Wirkung, die einhergeht mit seiner Meisterschaft im Wechselspiel von Licht und Schatten, was vor allem in seinen Landschaftsbildern eine starke Ausprägung findet.
Herausragende, besonders auffällige Werke der Präsentation sind z.B. „Grass 3“, ein großformatiges Gemälde aus dem Jahr 2021 im Format 320 x 610 cm, das eine reduzierte, eindringliche Graslandschaft in leuchtendem Gelb und Grün sowie einigen braunen Einsprengseln zeigt, die gerne als Maulwurfshügel interpretiert werden. Den Gegensatz zur freundlichen Sommerwiese bildet „January Snow“ von 1993, eine schwarz-grau-weiße, atmosphärisch spannende Winterwaldszene im Format 320 x 240 cm. Sieben Druckgrafiken "Nicole" (2018), "Coca-Cola Girl 5" (2019) und "Purple Wind" (2017) werden nach Ende der Ausstellung dauerhaft in die Sammlung des Museums übergehen. Über die großzügige Geste des Künstlers ist das Haus natürlich mehr als erfreut und dankbar.
Nach dem Besuch der Ausstellung „Dancing with Reality“ darf man durchaus das Fazit ziehen: Alex Katz zählt zu den prägenden Vertretern der US-amerikanischen Kunst der Nachkriegszeit und steht für das heitere, coole, elegante Amerika.
Text und Foto: Norbert Klotz