Kammerkonzert im Gustav-Siegle-Haus

„Seltene Klänge“ bei den Stuttgarter Philharmonikern

Im Mittelpunkt stand in der Reihe Kultur am Nachmittag beim Kammerkonzert der Stuttgarter Philharmoniker im Gustav-Siegle-Haus die Harfe mit ihren himmlisch, betörenden Klängen. Die Harfe ist das älteste, bekannte Zupfinstrument. Es sind 5.000 Jahre alte Abbildungen aus Mesopotamien und Ägypten bekannt. Die Harfe ist ein Koloss von einem Instrument mit 47 Saiten, 180 Zentimeter Höhe, 2.500 Einzelteilen sowie 40 Kilogramm Gewicht. Ihr Transport gleicht einer kleinen Expedition, das Stimmen einem geduldigen Ritual. Doch sobald die ersten Töne erklingen, wird aus Technik Magie. Der Klang schwebt, glitzert, verzaubert und zieht Publikum wie Harfenist/innen gleichermaßen in seinen Bann.

Als Harfenistin prägte die renommierte, international preisgekrönte Emilie Jaulmes den gesamten Konzertnachmittag. In Franz Schuberts für Violoncello und Harfe bearbeiteter a-Moll-Sonate D 821 führte Bernhard Lörcher den Bogen engagiert über die Saiten seines Instruments. Musikerin und Musiker verschmolzen hörbar mit ihren Instrumenten. Die seelenvollen Melodien des ersten Satzes mit virtuosen Sprüngen über weite Tonräume gingen nahtlos in ein ruhiges Adagio über, bevor ein gefällig-virtuoses Rondofinale den Satzzyklus beschloss.

Die folgenden Programmpunkte gestalteten Emilie Jaulmes (Harfe), Julia Schautz und Ingrid Günther (Violinen), Marlena Svoboda (Viola) und Constantin Meier (Violoncello). Den Auftakt bildeten Claude Debussys Deux Danses für Harfe und Streicher. Der „Danse sacrée“ in archaischem d-Moll beginnt statisch, fast rituell, ehe geheimnisvoll schimmernde Streicherklänge einsetzen, getragen von einer kraftvollen, klaviernahen Begleitung der Pedalharfe. Der „Danse profane“ hingegen, entfaltete einen sanften Walzerrhythmus im freundlichen D-Dur, der mit den lyrischen Melodien und rauschenden Kaskaden der Harfe in einen feinen Dialog trat.

Über dem Adagio und Rondo von Wolfgang Amadeus Mozart – ursprünglich für Glasharmonika geschrieben, hier in einer Bearbeitung für Harfe – lag ein ganz eigener Zauber: melancholische Schatten mischten sich mit heiteren, beinahe beschwingten Passagen und verliehen dem Werk eine schillernde, fast entrückte Aura.

E.T.A. Hoffmann, dessen 250. Geburtstag in diesen Tagen begangen wurde, gilt zu Recht als eine der zentralen Figuren der deutschen Romantik. Musik bezeichnete er als die „romantischste“ und damit höchste aller Künste. Neben seinem literarischen Œuvre hinterließ er mehr als 70 Kompositionen. Im ausverkauften Nachmittagskonzert war er mit seinem Quintett in c-Moll für Harfe und Streichquartett vertreten – ein Werk von eindringlicher Ausdruckskraft.

Das begeisterte Publikum dankte den Ausführenden mit langanhaltendem Applaus für einen Nachmittag voller wohltuender, seltener Klänge.

Text und Foto:            Norbert Klotz