James Rizzi in Tübingen
Freude, Farben, Fantasie: James Rizzi in Tübingen
SportKultur Kunst&KulTouR in der Austellung “Home Away from Home”
Schon von außen wirkt der weiße Kubus des Neuen Kunstmuseums in Tübingen wie ein architektonisches Ausrufezeichen. Doch wer die Treppe zur Ausstellung “Home Away from Home” - Zweites Zuhause - hinaufsteigt, betritt nicht nur einen Museumsraum, sondern ein vibrierendes Paralleluniversum: den farbenfrohen Kosmos des Pop-Art-Künstlers James Rizzi (1950-2011).
Bereis die ersten Werke empfangen das Publikum mit einer Wucht aus Farben, Formen und fröhlich zwinkernden Figuren. Rizzis berühmte 3D-Grafiken, viele davon gerademal im Postkartenformat, scheinen förmlich aus den Rahmen hervorzuspringen. Groß dimensionierte Stadtlandschaften voller wimmelnder Details, Szenen aus seiner geliebten Heimatstadt New York, die zugleich chaotisch und herzlich wirken, Gesichter die den Betrachter anklicken als wollten sie sagen: “Willkommen, schau Dich um!” Gerne sind die SportKultur Kunstfreundinnen und -freunde vor den Werken lange stehengeblieben, die von Kunstvermittlerin Sina Ring sachkundig und charmant erläutert wurden. Oft wurden die bunten, lebendigen Szenen als eine Art fröhliches Wimmelbuch angeschaut. Tatsächlich entfalten die Werke eine Leichtigkeit und Offenheit, die man in klassischer Museumskunst selten findet. Rizzi verstand es, Komplexität in Einfacheit zu verwandeln. Gerade darin liegt der Zauber seiner Arbeiten.
Ein Höhepunkt der Schau ist der originalgetreu nachgebildete Arbeitsraum des Künstlers aus seinem New Yorker SoHo-Loft. Farben, Werkzeuge und persönliche Gegenstände vermitteln das Gefühl, James Rizzi könnte jederzeit hereinkommen, einen Pinsel greifen und weiterarbeiten. Die Austellung zeigt eindrücklich, warum Rizzis Kunst weltweit so bekannt und beliebt ist. Die Deutsche Post veröffentliche z.B. 2008 Briefmarken mit seinen Motiven, Straßenbahnen und Flugzeuge verkehrten mit Rizzis Kunst, die so unmittelbar, zugänglich und voller Optimismus ist. Nichts an ihr wirkt kompliziert oder elitär. Stattdessen feiert sie das Leben - ln all seiner Buntheit, Verrücktheit und guten Laune. Wer das Museum verlässt, blickt plötzlich etwas anders auf die Welt draußen: Die Stadt scheint ein bisschen bunter, der Himmel ein wenig klarer, die Menschen einen Hauch fröhlicher. Die Austellung “Home Away from Home” bietet nicht nur einen Einblick in das Werk eines außergewöhnlichen Künstlers, sondern auch eine wohltuende Portion Lebensfreude - genau das, was man im Alltag manchmal braucht, durchaus ein Verdienst des Teams dieses privat finanzierten und geführten Hauses.
Text und Fotos: Norbert Klotz