16. Triennale Kleinplastik in Fellbach

Eine Expedition durch die "Habitate" der 16. Triennale Kleinplastik in Fellbach

Manchmal muss man die große Welt in den Blick nehmen, indem man ins Kleine blickt. Genau das macht die 16. Triennale Kleinplastik in Fellbach, die unter dem Titel „Habitate.Über Lebensräume " in der ehrwürdigen Alten Kelter empfängt. Die Führung für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Abteilung Kunst&KulTouR beginnt nicht bei den Exponaten, sondern beim Ort selbst. Die Alte Kelter ist kein steriler Museumspalast, sondern ein über 100 Jahre altes Fachwerkgebäude, das mit seinem gewaltigen Dachstuhl bereits eine eigene Geschichte von „Über-Lebensräumen“ erzählt. Wie ein riesiges, hölzernes Geflecht überspannt er den Raum und schafft eine Art schützende Hülle für die Kunst, die sich darunter ausbreitet. Man betritt die Halle und fühlt sich sofort in eine andere Welt versetzt. Kuratorin Claudia Emmert und ihr Team haben hier eine Installation geschaffen, die die Kelter selbst zum Habitat macht. Es ist ein sinnlich erfahrbarer Raum, der zum Verweilen und Nachdenken einlädt. Die Werke sind nicht einfach nur hingestellt, sondern scheinen zu einem Ökosystem zu gehören, in dem sie in Beziehung zueinander treten. Birgit Knolmayer hat engagiert, kompetent und charmant der Besuchergruppe Inhalte und Werke der Ausstellung vermittelt.

Das Thema "Habitate" wird hier von rund 50 internationalen Künstlerinnen und Künstlern in all seiner Komplexität beleuchtet. Es geht um nicht weniger als um das Überleben auf einem sich dramatisch verändernden Planeten. Die Bandbreite ist beeindruckend:

Toxische Habitate: Einige Werke zeigen dystopische Zukünfte auf. Man sieht Objekte, die aus Plastikmüll geformt sind, Installationen, die die Verschmutzung der Meere thematisieren, oder Skulpturen, die aus postkolonialen Kontexten stammen und von verlorenen Lebensräumen erzählen. Es ist eine Konfrontation mit unangenehmen Wahrheiten, die einen nicht kalt lässt.

Hybride Welten: Andere Kunstschaffende erforschen die Verschmelzung von Mensch, Natur und Technik. Es entstehen Fabelwesen aus organischen und synthetischen Materialien, die von einer Zukunft sprechen, in der die Grenzen zwischen Lebewesen und Maschine verschwimmen. Es sind Werke, die sowohl faszinieren als auch beunruhigen.

Neue Utopien: Bei aller Dringlichkeit gibt es auch Hoffnung. Arbeiten wie die von Ahmet Öğüt, der den Bewohnern eines Hauses in Istanbul, das einem Neubau weichen sollte, ein Denkmal gesetzt hat, zeigen, wie Kunst gegen Verdrängung und Zerstörung ankämpfen kann. Es sind kleine, rebellische Gesten, die vom menschlichen Wunsch nach Gemeinschaft und Heimat erzählen.

Die 16. Triennale Kleinplastik ist eine Art künstlerische „Über-Lebensanleitung“. Sie zeigt nicht nur Probleme auf, sondern lädt dazu ein, über Lösungen nachzudenken. Man verlässt die Alte Kelter mit mehr Fragen als Antworten, aber genau das ist die Stärke dieser Ausstellung. Sie ist ein Denkanstoß, eine Einladung zur Auseinandersetzung mit den drängendsten Themen unserer Zeit. „Es ist eine pfiffige, vielschichtige und manchmal unbequeme Schau, die in ihrer Kleinheit eine erstaunliche Größe entfaltet“, zogen die kunstaffinen Besucherinnen und Besucher als Fazit. Ein Muss für alle, die über den Tellerrand blicken wollen.

Text und Foto:              Norbert Klotz